Duisburg calling

Wer kennt das nicht. Gerade von der Arbeit nach Hause gekommen, der verdiente Feierabend hat gerade begonnen. Dann klingelt das Telefon. Aber weder Bekannte noch Eltern wollen sich nach dem Wohlbefinden erkundigen. Nein, der hart erarbeitete Lohn soll postwendend wieder investiert werden. Mehr oder weniger gut geschulte Verkäufer sitzen am anderen Ende der Leitung und versprechen, nur ein paar Minuten ihrer Zeit zu beanspruchen, mit dem Ziel, das eine oder andere Produkt einen Mann oder die Frau zu bringen.

„Cold calling" nennt sich diese Form des Direktmarketings. Kennzeichnend ist, dass die Initiative für den Anruf ausschließlich auf den Verkäufer zurückgeht. In der Regel hat der Angerufene weder um einen Anruf gebeten, noch steht er zu dem anrufenden Unternehmen in irgendeiner Verbindung, ist zum Beispiel bereits Kunde. Diese Verkaufsmethode ist grundsätzlich unzulässig. Doch willen noch weitere kostbare Zeit seiner Freizeit für die Verfolgung des Anrufers opfern. Man ärgerte sich noch eine Weile und nach dem ersten Feierabendbier ist jede Aufregung wieder verflogen. „Na und" könnte man jetzt sagen, „ lass sie doch anrufen. Ich lege eh' gleich wieder auf!" Sicher, das ist eine Methode, mit diesen Anrufen umzugehen. Doch das schafft nicht jeder. Viele Leute lassen die Gegenseite erst einmal aussprechen und geraten mitten ins Verkaufsgespräch. Oft endet das Gespräch mit einem verkauften Zeitungsabonnement oder ähnlichem, dass man sich sonst nie zugelegt hätte.

Das Geschäft lohnt sich. Es muss sich lohnen, betrachtet man die Vielzahl der so genannten Call-Center, die in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen sind. Auflegen ist folglich nicht jedermanns Sache. Bundesjustizministerin Zypries plant daher in einem Gesetzentwurf, unter anderem die Rufnummerunterdrückung für kommerzielle Kommunikation zu verbieten. Auf diese Weise soll der Anrufer leichter identifiziert werden. Bis zur Umsetzung des Entwurfs wird das Telefon wohl noch oft klingen.

Übrigens: Ab Mitte der neunziger Jahre hat sich die Stadt Duisburg aufgrund guter Standortbedingungen zu einer Art „Hochburg" für Call-Center entwickelt.

Dieser Beitrag wurde am Nov 8, 2007 erstellt und zuletzt am Nov 8, 2007 aktualisiert. Für die Richtigkeit der Angaben wird keine Gewähr übernommen.
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